Wilson und die Neutralitätspolitik

Wilson und die Neutralitätspolitik

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Redactie 08 November 2016 1

Die Nachricht vom deutschen Einmarsch in Belgien ließ die Amerikaner nicht ungerührt. Schon 1914 organisierten sie großangelegte Kampagnen, um „poor little Belgium“ mit Nahrung und Kleidung zu versehen. Eine eigene Kriegsbeteiligung dagegen stand zu diesem Zeitpunkt nicht zur Diskussion. Präsident Woodrow Wilson war erst anderthalb Jahre an der Macht und wollte sich verstärkt auf innenpolitische Probleme konzentrieren. Er erklärte, die Vereinigten Staaten würden in dem europäischen Konflikt neutral bleiben, und sah für sein Land lediglich eine Vermittlerrolle voraus. Wilsons Neutralitätserklärung konnte auf die große Zustimmung seiner Anhängerschaft zählen. Sehr viele Amerikaner befürworteten ja eine isolationistische Politik ihres Landes.

Je länger sich der Krieg dahinzog, desto schwieriger wurde es, diese Neutralität zu wahren. Mehrere Zwischenfälle stärkten die antideutsche Stimmung in den Vereinigten Staaten. Einer davon war die Katastrophe mit dem Passagierschiff Lusitania, das von einem deutschen U-Boot torpediert wurde. Als sich herausstellte, dass dabei 128 Amerikaner ums Leben gekommen waren, sprach sich ein Teil der amerikanischen Presse dafür aus, Deutschland den Krieg zu erklären. Dazu kam es jedoch nicht. Die Befürworter eines neutralen Kurses waren noch sehr stark. Als Wilson 1916 für eine zweite Amtszeit kandidierte, stellte sein Wahlkampfteam ihn sogar als den Mann vor, „der die Vereinigten Staaten aus dem Krieg herausgehalten hat“.

 

Woodrow Wilson voert het woord tijdens de verkiezingscampagne, Vlaamsch leven: zelfstandig Vlaamsch geïllustreerd weekblad, 19 november 1916, p. 7

Woodrow Wilson während die Wahlkampagne, Vlaamsch leven: zelfstandig Vlaamsch geillustreerd weekblad, 19 november 1916, p. 7

Wilson wurde für seine Politik mit dem Wahlsieg belohnt. Kurz darauf allerdings änderte sich die Lage. Im Januar 1917 bekamen die Amerikaner Wind von Versuchen der Deutschen, Mexiko gegen die Vereinigten Staaten aufzuwiegeln. Zudem waren die Deutschen zum uneingeschränkten U-Boot-Krieg übergegangen, der die amerikanischen Handelsschiffe bedrohte. Neutralität war nicht länger eine Option. Kurz nach dem Beginn seiner zweiten Amtszeit ersuchte Wilson den Kongress, Deutschland den Krieg zu erklären. Die Kriegserklärung erfolgte am 6. April 1917.