Belgischer Kurier: belgische Ausgabe des Deutschen Kurier

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s.n. 1916, 17 May. Belgischer Kurier: belgische Ausgabe des Deutschen Kurier. Seen on 25 October 2021, on https://nieuwsvandegrooteoorlog.hetarchief.be/en/pid/k649p2xf27/
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Aus Berlin und dem Reieh. _ Fiinfzig Jahre Lazaruskrankerdiaus. Das fiinfzigste Jahr reines Bestehens hat das Berliner Lazaruskrankcnhaus in der Bemauer StraBe hinter sieh; mit Rticksic.ht auf die Zeit-umstande hat man es ohnc Fest voriibergehen lassen und nur seines _ Griinders, des Pastors Boegehokl, am Grabe godaeht. Xatiïrlich war die Arbeit des Hanses, das so viel fitr diè Armen und Kranken Berlins geleistet hat, wieder zu einem groBen Teil Kriegsarbeit. Yon den 2090 Personen, die in rund 70 000 Pflege-tagen im vergangenen Jahre im LazarUskranken- und Diâko-nissenhause verpflegt. worden sind, waren nient weniger als 1023 verwundetc und kranke Soldaten. Die Diakonissen des Hauses haben auBerdem aber noeh in einer sehr umfjmgreichen und vielverzweigten Gemeinde- und Privatpflege gearbeitet, in fsrankenhiiusern, Aitevsheimcn, Hospizen, Kinderheimen, Sclm-lc n, Vereinen usw. Die Kaiserin hat vielfaeh ihre Teilnahme riir aile diese Arbeit bekundet und aueh den Yerwundeten ihre CJriiBo gesandt.^ Schwestern des Hauses haben znsammen mit, oinem Trupp Diakonieschwestem als erste deutsche Schwestern serbischen Botkn betreten. Zwei dieser Schwestern sind jetzt mit_ der deutsehen Sanitâtsgesàndtschaft fiir Bulgarien naeh Sofia gegangen, wo sie ein groBes Arbeitsfeld haben und viel erleben. Berliner WanUteppiche fiir den Reichstag. Im Kôniglichen Kunstgewerbcmuseum sind gegenwiirtig die prachtvollen Berliner Wandteppiehe (Gobclins) aus dem Jahre 1714 ausgestellt, die der Reichstag vor dem Kriegsausbruch auf Anregùng des Miniaterialdirektorn Lewald zur Ausstattung des Prasidialge-biiudes nngekauft hatte. Es ist eine zusammengehOrige Foîge von seehs Teppiehen versehiedener GrOfie, die zusammen eine WandflHcho von 16 Meter Breite und 3 Meter Hiihe bedeeken. Die sehr farbenreichen Darstellungen sind dekorativ von jener Art, die seit der Renaissance als «Grotesken» bezeichnet werden: lustig leichte Arehitekturen. verbunden mit Blumen in Vasen und GehUngen, Bandent. Weinranken gliedern die Plaehen, die von Figuren kleinen Mafistabs in orientalischcn Gewandern, Seiltanzern, Musikanten, KomOdianten und exotisehen Tieren belebt sind. Auf den vier schmalen Teppiehen der ausgestellten l'olge sind tinter zeltartigen Baldachinen die vier Jahreszeiten ii' statutarischer Haltung dargestellt. Der grciBte dieser Tep-piehe triigt noeh die voile Bezeichnung des Verfertigers: «Barra-* band à Berlin 1714>>. Der Tapetenwirkor Jean Barraband II, gebilrtig 1877 aus der Tapisseriestadt AubuBen in Mittelfrank-reich, gehOrte zu den protestantisehen Kunsthandwerkern, die der Orofic Kurfiirst naeh der Aufhebung der Edikts von Nantes nach Berlin gezogen hatte. Die Tcppiche des Reichstags sind die einzigen bisher bekannt gewordencn Erzeugnisse der Berliner Manufaktur Barrabands und deshalb iiberaus wertvolle Documente fiir die Géschichte des Kunsthandwerks in Berlin. ZusammeiischluB der Lelirer fiir Gesangs- und dramatische Knust. Im Abgeordnetenhause fand eine Yersammlung der Gesangléhrer nnd Lehrer der dramatischen Kunst statt, die zurn Zwecke der Bildung eines Berufsverbandes einberufen worden war. Reehtsanwalt Dr. Arnim Osterrieth wies darauf hin, daB aile Borufe, aueh die wissenschaftliehen, organisiert scion, und daB gerade in dieser Zeit ein ZusammensehluB der (ïesanglehrer und Lehrer der dramatischen Kunst unbedingt not-wendig wîire. Der zu griindende Yerband sollc vor allem die soziale und wirtschaiiliche Lage der Mitglieder heben, damit diese nieht schutzlos dastanden. Ferner gel es dringend not-tvendig, soziale Fiirsorgeeinrichtungen zu schaffcn. Es wurde schlieBlich die Bildung eines Berufsverbandes der Lelirer fiir dentschc Gesangs- und Opernkunst beschlossen, der die Aufgabe haben soll, die gegenseitige Untërstiitzung und die Hebung der wirischat'tlichon und sozialen Lage seiner Mitglieder zu be-wirken, sowiè den Schiilcrn tatkr&ftige Fiirsorge angedeihen zu lassen. lîie iirztliche Versorgung tier Kriegsteiinehmer-Familieu in Berlin geht jetzt in einer fiir aile Teile befriedigenden Weise vonstatten. Die Frauen und Kinder erhalten freio Behandlung und Arzneien, aber nicht Wein. Starkungsmittel, Fleiseh, Milch und Nâhrpraparate. Aerzte, die solehe verordnen, werden fiir die der Stadtgemcinde entspreclienden Mehrkosten regrefi-pflichtig gemacht. Die Zabi der Aerzte soll — msbesondere im Hinblick auf die inzwischen aus dem Felde zuriickgekehrten Aeskulapjiinger — demniiehst noeh vermehrt werdeu. Der Berliner Verein îiir Ferien-Kolonien hielt. im Heim des 1. Yorsitzenden. James Simon, seine ordentliche Mitglieder-Versammlung ab. Dem Vorstande wurde nach den Beriehten iiber die segensreiche Tatigkeit des Yereins wali: end des Krie-ges und die Kaasenverhallnisse die beantragte Entlastung er- gestlegen nnd hatien die Einnahmen mit diesen nî<rht gleîclien Schritt gehalten. Die Frage der Bekostîgung der zahlrciehen Kinder, die zur Kriiftigung ihrer Gésundheit îiinaus an die See und aufs Land gesandt wurden und in diesem Sommer hinaus-fahren sollen, bedarf aller Hingabe und Anspannung der Kriifte des Yereins, um sic unter den heutigen Verbliltnissen zu losm. Der Schutz des StraBenkôrpers. An die siiidtische Strafien-polizei hat der Berliner Polizeiprasident, dem die Yerkchrs-polizei untersteht, die Regelung der Vprschriften znm Schutzc des StraBenkôrpers und der in ihm liegenden Rôti*- und Kabel-leitungen tibertragen. ïnfolgedcssen hat die stadtische BehOrde eine Polizeiverordnung erlassen. die fiir den Lastenverkehr be-stimmt. daB die Bruekcn, und StraBenteile, fiir die durch An-schlag eine Belastungfigrenze vorgesehrieben ist, mit hiihercm Gewicht nur naeh Einholung einer besonderen Erlaubnis befah-ren werden diirfen. Danach wiid an allen Briicken Berlins eine Tafel angebrachf werden, die das zulassige HOchstgewicht der sie befahrenden Wagcn festsetzt. In gleicher Weise wird dies in den StraBen (zum Beispiel des Ticvgartenviertcls) ge-scheben. deren Oberbau schweren Lasten nicht gewachsen ist. Das erste deiitsehe Theoiogieexamen einer Frau. An dem dieser Tage in K a r 1 s r u h e abgehaltenen ersten theologischen Examen hat zum ersten Maie in der evangelischen Land.es-kirche Badens und wohl tiberhaupt in Deutschland eine Theo-logicstudentin, Frl. Overbeck, teilgenommen und wohl be-standen. Wenn damit zwar aueh nach Lage der bestehenden Verfassung lcein Recht, auf Yerwendung im badischen Kirchen-dienst, besonders auf Erlangung eines Pfarramtes, verbunden ist. so hat die Zulassung einer Theologiestudierendén zur Priifung der badischen Kirchenbehoide doch ihre bemerkens-werte grundsittzliche Bedeutung. Die deutsehen Briideranstalten und der Krieg. Die 18 deutsehen Briiderhauser, die ungefiihr 3300 Diakonen zahlc-n, haben zur Zeit 2200 Briider zum Kriegsdienste entsandt. 370 haben sieh Auszeichnungen erworben. Es fanden manche im Auftrage ihrer Kirchenbehôrde Verwendung zu Hilfsdiensten in der Seel-sorge, andere wurden von Offizieren und Soldaten ersucht, religiose Anspraehên und Bibelstunden zu halten. Die meisten Briiderhauser haben Lazarette in der Heimat eingeriehtet. 70 H-iuser der Inneren Mission, deren Verwaltung in Friedens-zeiten in den Hiinden der Briider lag, dienen als Lazarette und Genesungsheime. In diesen Heilstiitten sind 104 Diakonen im chrisllichen Liebesdienst tiitig. Von der siiehsischen Briider-anstalt M'oritzburg stehen 91 Briider im Kriegsdienste. Die Jungfrau Maria als «Patrona Bavariae». Die Naehricht, daB Papst Benedikt XV. auf Ercuchen Konig Ludwigs III. von Bayem die Jungfrau Maria zur «Patrona Bavariae» ernannt hat, und daB der 14. Mai als alljàhrlich wiederkehrender Festtag fiir die Schutzpatronin des Konigsreichs bestimmt worden ist, kommt fiir Kenner bayerischer und Mtinehener Verhaltnisse nicht so ilberraschçnd, wie sie wohl im allgemeinen erseheinen mag. Die pUpstlicho Verfiigung ist nur die feierliehe Besiiiti-gung schon litngst bestehender Verhaltnisse, denn seit Jahr-hunderten war die Jungfrau Maria die Patronin Baycrns, und in der Erbauung der Miinehener Frauenkirche( in der zwèiten Hiilfte des fiinfzehnten Jahrhunderts) gab Herzog Christoph seiner Verehrung fiir die Gottesmutter einen weithin sichtbaren Ausdruek. In Bavcrn pflegt iibrigens jede Gemeinde ihren besonderen Selmtzpatron und ihr besonderes Patronatsfest zu haben — fiir Miinchen ist es der hl. Benno, dessen Fest am 16. Juni begangen wird — und erst als Papst Pins X. gegen Ende seiner Regierung zahlreiche Festtage aufhob, wurden aueh die Patronat stage der einzelnen G'emeinden auf rein kireh-liche Feiern bescliriinkt. Besonders auf dem Lande und im Gebirge ist der Verzieht auf die seit Jahrhunderten eingewur-zelten Briluehe schmerzlich und nicht ohne Unwillen empfunden worden, und man geht vielleicht nieht irre in der Annahme, wenn man den Wunseh Konig Ludwigs nach einem besonderen bayerischen Landesfeiertage nicht nur mit einer Huldignng fiir die Jungfrau Maria, sondern aueh mit dem weiteren Wunsche in Zttsammenhang bringt, seinem Volke fiir die in Wegfall ge-kommenen ehemaligen lokalen Feiertage einen Ersatz zu bieten. Uebrigens ist die Frauenkirehc nicht der einzige Beweis der Verehrung des bayerischen Fiirstenhauses fiir Maria; aueh iiber dem Hauptportal der im Jahre 1615 durch den damaligen Herzog Maximilian I. erbauten Residenz (der Feldherrnhalle gegen-iiber) ist das Bild der Jungfrau angebracht mit der Unterschrift: «Salve Regina, Patrona Bavariae.» Seit melir als 300 Jahren brennt, vor dem Bilde hinter roter Seheibe ein ewiges Licht, und dieses Licht erlosch nur einmal, im dreiBigjahrigcn Kriege, als die Schweden unter Konig Gustav Adolf (1634) Miinchen besetzten. und der Konig in der Residenz der bayerischen Kur- Eîn fîoldîuni! !n Kolberg. Die Ptadlgemcinrle Kothcrg gofit mi' dem Plan uni, ein Muscnm zu griinden; Ein Hauptstiick dieses Muséums wird ein Halsifng sein, der vor raehr als drei Jahren in der Xahe Kolbcrgs bei Peter^itz gefunden wordrn unti jahrclang unbeac-htet geblieben ist. bis bei der Metall-abgatx d; Fundsttick genauer untersucht wiirdc. K- zeigte Mcii, daB der etwa 1880 Gramm sehwere Ring, dessen griiBter Dùrchmcs«pr etwa 23 Zentimeter betragf, aus einer Goldlegie-nuig besteht mit 722 Toi Ion Feingold und 2-"0 Tcilcn Fein- ilber. Die Ornamentierung ist -ehr reieh und vorziiglich orhaltè'n: sic besteht zum Teil aus soliai'f cingesehlagenen Punzcn. zum Teil aus handarbeiilicben Darstellungen — nach I dem diinnen Kndç des Ringe . zu. ilrr an einer Seite in eine Schlange. an der ânderen in einen Vogelkopf ausliiufl. Zwei iihnliehe Ringe sind friiher in Schweden gefunden worden und werden im Rcichsmuseum zu Stockholm als kostbarc Stiicke aufbèwahrt. Der Ring stammt wahrscheinlicli aus der Zeit der Bcsetzung Schwedens und Hinterpommerns durch Gotenstamme im vierten bis fiinften Jahrhunderl. Wesentlich ist die Legie-rung des Ringes aus ('Old und Silbcr, eine Metallzusammen-setzung, die bezeichnend fiir Arbeit en der Gotenstamme und des ofteren an Funden an der Kiiste des Schwarzen Meeres, einem Ausgangspunkt der Ooteiuvanderung nachgewiesen worden ist. Wissenschaftlicher Pflanzenschutz in der Provinz Sachsén. Fiir die Provinz Sac h s en ist eino neue wissenschaftliche Stelle geschaffen worden, die den Namen «Pllanzenschutzdienst fiir die Provinz Sachsen» fiihrt. Ilirc Aufgabe ist, die in Feldern nnd Garten aufiretenden Pflanzenkrankheiten zu erkennen und die Mittel und Wege zur wirkungsvollen Bekampfung zu finden. Neben einer Hauptstelle in Halle a. S. sind eine Anzahl Xcben stellen eingeriehtet worden. Wissenschaft, Kunst, Technik. AnliiBlich der Wiederau'fnahnve des vollen Lehrbelriebes der Universitat Czernowitz trafen von mannigfachcn Kiirperschaften, Schwesteruniversitaten und verschiedenen Personlichkeiten zahlreiche Kundgebungcn ein, in welehen der freudigen Genugtuung iiber die Wiedereroffnung der den Namen des Kaisers Franz Joseph tragenden Universitat in der Bnkowina Ausdruek ge-geben wird. Sokodu. Die «Humanité» entnimmt dem «Paris-Médical»: Sokodu oder Sokoskio ist der japanische Name einer eigen-tiimlichen Krankheit, die in China und Japan hâufig als j*'olge von Rattenbissen beobachtet wird. Bis in die letztra Jaluc war die Krankheit anseheinend auf die beiden ostasîatisohen Lander besehrankt,was ihr fur uns cinc nur maBige Bcdcutur.:. gab. Aber netierc Arbeiten haben gezeigt, daB sic gleiehîail" in Amerika und sogar in Europa aufgetreten ist. Die Kranl;-heitsfiilfe sind vielleicht weniger vereinzelt, als es scîieinl. und mehr als ein erfahrener Arzt diirfte beim Wiederdurehlesen in seinem Krankheitsverzeichnis solch unaufgekiart gebliebenm Krankheitsfall begegnen, da ja die Krankheit bisher in Frank-reieh unbekannt war. Immerhin ist bisher kein F.tll von Sokodu in der Fachliteratur behandelt worden. Jetzt aber vorijrfent-licht Dr. Fievez aus Lille eine merkwiirdige Beobaehturig tines Falles, den er von Dezember 1915 bis Januar 1916 in einem Dorfe des Maas-Departements beobachtet hat. Da einmal die Aufmerksamkeit auf die Krankheit gelenkt ist, werden die behandelten Einzelfalle >ieh wohl vervielfachen: sie werden uns eine Vorstellung von dem Krankheitsverlauf initev etiropai-schen Verhaitnissen ermoglicliéà. Die iiuBcrcn ErsclioinungeB der Raitenkrankbeit sind die i'olgenden: Ein RattenbiB. der so-fort aushéilt. Nach vierzehn Tagen Ruhe-(Inkubaiions-)zeit Wiederauftreten von Hautverletzungen im Bereich der BiB-stelle, die viel schlimmer auftreten als die urspriingliehen. weil sie on Eiterungen und DiiiseBcntziindungen, von Ansschlag, Fieber und yérringerter Widerstandsfahigkeit gegen Ansteekun-gen begleitet werden. Nach einer Woche scheinbarer Keilnng ein nouer Fieberanfall, der kiirzer verliiuft, aueh keine neuen Erscheinungcn zeigt. dafiir aber die fniheren Erscheimingen in schlimmerer Form darbietet. Endlich Heilung, die man als vollig betrachten kann, wenn ein dritter Fieberanfall sehr milde verlanfen ist. RiickfUllo sind aber immer in Reehnung zu stellen, sogar nach sehr langen Rnhezciten. Die Kiank-heitsbehandlung bleibt noeh niiher zu ergriinden. Soweit das «Paris-Médical». Anseheinend ist die Rattenkrankheit aus Osiasien mit Chinesen und Japanern einmal nach Amerika. dann naeh Marseille nnd von da in die franzOsischen Schlitzen-grâben verschleppt worden, in dencn die Rattenplage ja nocli teiît. Wie den Beriehten zu entnehmcn war, sind die Ausganer Neugestaltung des deutsehen Unterrichts. Der deutsche Germanisten-Verband hat soeben an die deutsehen Regierungcn eine eindrucksvoile Eingabe iiber eine Neugestaltung des deutsehen Unterrichts an den hoheren Scliulen gerichtet. Forderungen, die schon litngst vor Au-bruch des Krieges von dem Verband geltend gemacht wurden. erweisen sieh jetzt als vollends unabweisbar. Es mnB fiir die wohlbegriindete Viclfaltigkeit der hoheren Sehularten (Gymna-sium, Real-Gymnasium, Ober-Realschule und Realsehule) die nctfwendige Einheit geschaffen und es muB zugleich der unheil-voile Spalt, der heute noeh zwischcn Volksschule und hôheren Schulen klafft, geschlossen werden. Dies kann nur dadurch ge schehen, daB das gesamte Schulwesen bewuBt auf den festen Grund des deutsehen Volkstuins gestellt wird. Hierzu dient in erster Linie der deutsche Unterricbt, der neben dem Gesehicht-Unterricht in der beranwachsenden Jugend das siehere Gefiihl fiir die Eigenart und den Wert des deutsehen Wesens zu weeken und zu pflegen berufen ist. Ohne die Bedeutung an-derer Bildungsfitcher irgendwio zu verkennen, verlangt der Germanisten-Verband, daB die Entwicklung des Verstandnisscs fiir unser Volkstum als die wiehtigste Aufgabe erkannt, und dafr demgemiiB die Umgestaltung und Verbesserung des deutsehen Unterrichts unverztlglich ins Auge gefaBt werde. Znnaehst muB der Grundsatz Geltung gewinnen, daB jede: Sprachunterrieht, der wirkliche Bildung und nieht ein totes Wissen iibermitteln will, von der Mutterspraehe ausgehen nnd eicb immer wieder auf sie beziehen muB. Nur an ihr lassen sieh die inneren und JiuBeren Gesetzliehkoiten der Sprache dem Schiiler griindlich entwiekeln, nur durch sie, die er kennt, und spricht, kann er zu selbstandigen Beobachtungen angeregt werden. So bietet dieser Unterricht das Wertvollste, was der Unterricht iiberhaupt bieten kann: die Anregùng zu oigenem Nachdenken, zum Sammeln und Sieliten, Scheiden und \ erbin-den des reiehlich sieh darbietenden Stoffes; er fiihrt, zu Ein-sichten, die noeh auf hoherer Stufe geistiger Entwickelung mannigfaltig nachwirkenden Gewinn verheiBen. Die gleiche Bedeutung wie dem Sprachunterrieht kommt der Pflege des Verstandnisses fiir unsero Dichtungen zu. Nir-gends offenbart. sieh miser Volkstum so klar und faBlich, so un-mittelbar wirksam wie in ihm; und die irnabsehbare Mannig-faltigkeit ihrer Gegenstande gestattet eine wohlberechnete An- l iursten wonnung nanm. passung an die Fass'ungskraft der Jugend. Wiihrend auf der nnteren Stufe die Belehrung iiber Marchen- und Volksdichtung aller Art und das VolksmaBigc der Kunstdiehtung vorwalten muB, wird die der oberen bcmiiht sein, zur Vertiefung in die cigenartigen Leistungen unserer Kunstdichter hinzuleiten. Sie wird aile Absehnitto der geschichtlichen Entwicklung unseres Schîifttums beriicksichtigen, die Betrachtung des Mittelalters von der oberflachliehen Behandlung. die jetzt tiblich ist, be-\ freion, bei hochster Schiitzung der Klassiker doch aucli der Diehter des 19. Jahrhunderts wie der der Gegenwart Anteil scheriken und in einer Gesamtdarstellnng unseres Schrifttums 1 in freicr Folge die Uebersicht iiber das Ganze anbahnen. Vor-sichtige Pflege des kiinstlerischen Urteils wird den Blick weiten und aueh gelegentlich auf die N.ichbargebiete der anderen Kiinste hiniiberlenken. Hinweise auf die in den Dichtungen ,-ieh offenbarende Weltansehauung werden vollends dazu dienen. in den Herzen der Jugend den Sinn fiir ailes Hohe und Cdle ausztibilden, durch den unser Volk in siiller Innerliehkèit herangcveifl, ist und den es nimmer verlieren darf. Die Fiihig-koit, aueh groBore Schriftwcrke. verstândnisvoll zu betrachten. niuB bis Obertertia im Klassennnteiricht so we.it gefordoit worden sein. daB von Untersekunda an die Schiiler unter ge-eigneter Anlcitiing solche Werke selbstandig lesen kiinnen. In Untersekunda beginnt die Betrachtung dis altdeutschen Schiilt-tums. Von da ab ist in vierjahrigem Lehrgang der Entwicklung der deutsehen Dichtung bis zur Gc-gonwait an der Hand der wiehtigsten Werke darzustellon. Aucl; auf den Stufen, wo die Betrachtung der alteren Schriftwcrke bis zur Mitte des 18. fahrhunderfs im Mittelpunkt de.- Unterrichts steht, darf ùir Pflege di-s neueion Schrifttums in kriner Weise vernaehlilssigt werden. Um diesen hoheren und weiteren Aufgaben gerecht zu werden, bedarf der deutsche Unterricht einer angemessenen Verstiirkung im gesamten Unterrichtsplan. Damit soll aber diirchans kein Biueh mit dem Bisherigen (-rstrebt werden, sondern nur eine sinngemilBe Weiterbîldung unseres hoheren Sehulwesens angebahnt werden. Die Berechtigung dieses Stie bens wird von keiner Seite ernstlieh bestritten. Aucli sind liingst Stimmen von Vertreteni des ait- und neuspiaehlichcn Unterrichts laut geworden, die es fiir angebracht halten. zugun-sten des Deutsehen Zugestandnisso im Lehrplan zu machen. So ist fiir die Anregungen des -deutsehen Germanisten-Vcrbandes eine freundliche und verstandnisvolle Aufnahme mit, Bestimmt-hpit zu erwarten. I mimer eine ocr sciuimmsuen ceiastigungen cier t onus oarstein. Monte Cario im Kriege. y. Der Nachmittagszug sehiebt sieh langsam in die Station. Ein Gedrange von Menschen wie gewohnlich. Die Masse will die Marmorstufen liinauf zu dem Portai des groBen GeMudes auf dem Hiigel; aber es ist eine durehaus armselig geklei-dete Menschenmcnge. Ist dies wirklieh Monte Carlo? Driin-gen sieh diese armseligen Lente wirklieh fieberhaft zu den SpieltischenV Wohl weht die warme Luft gesKttigt von Blu-menduft wie sonst, aber die Terasse ist verlassen. Der Musik-pavillon mit seiner weltweit bekannten Kapelle ist geschlossen. Die Kaltwasser-Heilanstalt gegentiber dem linken Fltlgel des Kasinos mit dem Blick auf das ewig blaue Meer ' ist geschlossen. Der Rasen, auf welchem die Greuel der Tau-bensehieBerei vor sieh gingen, ist verlassen. Gegeniiber dem neuen Fliigel des Kasinos steht die Galerie Karls III.: anch hier ist ailes leer, nur zwei oder drei Geschafte offnen ihre Tiiren. Ueberall sieht man Hotels, Pensionen und Geschafte mit Brettern vernagelt und an jeder Ttir beinahe hiingt die Tafel «A Louer». Die Armee des Prinzen von Monaco, d. - h. die 82 Mann, die seine militarische Kraft darstellten, waren zumeist, Fran-zosen oder Italiener. die nun einberufen sind, so datl Monaco ohne militarisehen Schutz dastand. Die eigenen Untertanen stellten sieh freiwillig unter die Fahnen, aber sie tragen nur Militiirkappen und rot-weiBe Armbinden iiber ihren Zivilanzug. Das Meeres-Museum — naeh dem deutsehen Aquarium in Ne-apel die interessanteste Anstalt dieser Art — wird in seiner Ruho fast nie von einem Besueher aufgestiirt. Wenige Schritte weiter — vor dem Palast — steht ein 16jiihriger Knabe mit (einem alten Gewehr, auf dem ein 'sehr liohes Bajonett be-'festigt ist: seine Kleidung ist schabig und abgetragen, seine Mienc sehr zuversichtlieh. aber trotïdem gibt er der Hoff-nung Ausdruek, «das Monaco nicht in diesen Krieg verwickelt werde». Monaco selbst zeigt nicht, jenfe Verlassenheit wie Monte Carlo, wo dio'fcstlich gekleidetg Menge aus der gan-zen Welt vollstiindig fehlt. Die Spielsalo sind halbgefilllt von einfaeii gekleideten Leuten, die mit dem Zuge gekommen sind. Es sind zumeist Einwohner der niiehsten franzOsischen Orte, dencn es an Fremden fehlt, sodaB die Hotelbesitzer und Bediensteten hier einen Zeitvertreib suchen. Vor jedem Spieler liegen weiBe und iote Spielmarken zu 5 und zu 20 Franken, ebenso blaue fiir 100 Franken. Das Gold fehlt hier ganzlich, hier, wo man gewohnt war, es in groBen Haufen zu sehen. Soldaten ohne Ausnahme, ob in Uniform oder nieht, welcher Nation immer angehOrig, sind vom Eintritt ausgesoldo3sen, sodaB 80 v. H. aller Spieler Frauen sind. Eine Melancholie besonderer Art liegt iiber diesen kiist-liehen (Jarten und zauberhaften Anlagen. Die ko3tbaren Blit-ten stimmen zur Naclidenklichkeit und erinnern daran, daB die Volker, die hier aemeinsam das Leben zu genieBen versueh-ten, nunmehr in bitterem Kampfe gegen einander steben,

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