Gerettet durch Oranien: der Spion und Bürgermeister von Hamont

Gerettet durch Oranien: der Spion und Bürgermeister von Hamont

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Redactie 22 août 2017 1

Ab 1915 verschlossen die Deutschen die Grenze zwischen Belgien und den neutralen Niederlanden mit dem „Todeszaun“. Diese elektrische Absperrung heimlich zu überqueren war lebensgefährlich. Wer nicht durch die Hochspannung getötet wurde, konnte von den deutschen Wachtposten niedergeschossen werden. Dennoch versuchten Flüchtlinge und Spione auch weiter, die Niederlande zu erreichen. Grenzbewohner wie Louis Keunen halfen ihnen dabei. Keunen war Bürgermeister der limburgischen Grenzgemeinde Hamont. Zugleich war er der Mittelpunkt eines Spionage- und Widerstandsnetzwerks, das ganz Nord-Limburg umfasste. Er wurde mehrmals von den Besatzern gefangengenommen, kam aus Mangel an Beweisen aber immer wieder frei.

Bei seiner dritten Verhaftung allerdings ging es schlecht für ihn aus. Im Juni 1917 ergriffen die Deutschen bei einem missglückten Fluchtversuch über den Zaun eine Frau. Diese verriet bei ihrem Verhör die Namen ihrer Helfer. Dadurch konnten die Deutschen fast das gesamte Netzwerk hochnehmen. Keunen verschwand zusammen mit seinen beiden Söhnen und seiner Schwester ins Gefängnis von Hasselt. Spionage wurde von den Besatzern schwer bestraft. Am 21. August verurteilte ein deutsches Gericht ihn zum Tode.

Sogleich organisierten Keunens Familie und seine Mitbürger eine Rettungskampagne für ihn. Keunen verfügte über gute Kontakte in die neutralen Niederlande: Er war der Sohn eines Niederländers und hatte selbst eine Zeitlang eine Firma unweit von Eindhoven geleitet. Über einen seiner vormaligen Geschäftspartner drang seine Frau bis zum niederländischen Botschafter in Brüssel vor. Dieser kontaktierte die niederländische Königin Wilhelmina, die sich persönlich bei den Deutschen für eine Begnadigung Keunens einsetzte. Mit Erfolg! Am 6. September erhielt Keunens Familie die erlösende Nachricht, die deutschen Behörden hätten sein Urteil in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt.

Op het nippertje. Met dit document zette de Duitse generaal-gouverneur de doodstraf van Keunen om in levenslange dwangarbeid. (Geschied- en Heemkundige Kring 'De Goede Stede Hamont', Hamont-Achel)

Gerade noch rechtzeitig. Mit diesem Dokument wandelte der deutsche Generalgouverneur die Todesstrafe für Keunen in lebenslange Zwangsarbeit um. (Geschichts- und Heimatkundlicher Kreis „De Goede Stede Hamont“, Hamont-Achel)

Ein Jahr lang trotzte Keunen den harten Lebensbedingungen im Gefängnislager von Werden im Ruhrgebiet. Nach dem Waffenstillstand kehrte er erschöpft, aber lebend nach Hamont zurück. Hier nahm er sein Amt wieder auf und blieb bis ins Jahr 1946 Bürgermeister.