Eine Bunkerlinie entlang der niederländischen Grenze

Eine Bunkerlinie entlang der niederländischen Grenze

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Redactie 17 Juli 2017 1

Die belgische Grenze mit den Niederlanden war während des Ersten Weltkriegs keine gewöhnliche Staatsgrenze. Südlich der Grenzlinie herrsche Krieg, nördlich davon lagen die friedlichen, neutralen Niederlande. Die deutsche Armee investierte anfangs wenig in die Verteidigung dieser Nordgrenze. Ein Angriff aus den neutralen Niederlanden war schließlich unwahrscheinlich.

Diesbezüglich ganz beruhigt waren die Deutschen allerdings nicht. Was, wenn die Alliierten sich für eine Invasion Belgiens vom niederländischen Zeeuws Vlaanderen aus entschieden? Dann bestand die Möglichkeit, dass sich die Niederlande den Alliierten anschlössen. Darum entwarfen deutsche Pioniertruppen ein Netz von Verteidigungsanlagen entlang der belgisch-niederländischen Grenze. Zwangsrekrutierte belgische Arbeiter waren für die Ausführung der Arbeiten verantwortlich. So entstand zum Sommer 1917 hin eine deutsche Verteidigungslinie, die von der Küste bis hinein nach Turnhout verlief. 


Belgisch Dagblad, 12 Februar 1917

Diese Linie bestand aus Schützengräben, Kasematten, Brustwehren sowie nicht weniger als 1 370 Bunkern. Die Bunker waren oft komfortabler als ihre „Artgenossen“ im Frontbereich. Man konnte darin sogar aufrecht stehen. An der ruhigen belgisch-niederländischen Grenze hatte die deutsche Pioniertruppe nämlich genügend Zeit, sich um dergleichen zu kümmern. Aber auch Camouflage war wichtig. Die Bunker durften feindlichen Aufklärungsflügen nicht ins Auge springen. Darum wurden auf den glatten Betonwänden bisweilen mit Betonspritzern raue Unebenheiten angebracht, die dafür sorgen sollten, dass die Bunker – aus der Luft betrachtet – weniger mit dem natürlichen Bewuchs ihrer Umgebung kontrastierten.

Die Invasion aus den Niederlanden fand nicht statt und der Krieg endete, ohne dass entlang der kilometerlangen Linie auch nur ein Schuss gefallen wäre. Nach dem Krieg wurde diese schlichtweg vergessen. Schützengräben verfielen oder wurden überwuchert. Durch ihre Lage im Wald haben mehrere Schützengrabensysteme den Zahn der Zeit jedoch einigermaßen gut überlebt. Mehr als 10 Kilometer Schützengräben wurden kürzlich sogar wiederentdeckt. Im Mastenbos in Kapellen kann man heute mehrere dieser erhaltenen Schützengräben und Bunker besuchen.